Vom klassischen Familienalltag ins selbstbestimmte Abenteuer

Zum Start möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, wie alles bei uns begonnen hatte und wie es zu den ersten Veränderungen gekommen war.

Es startete 2016 mit dem Schritt von Partnerschaft zu Elternschaft.

Wir haben lange und hart für unseren Traum von Familie kämpfen müssen und waren überglücklich, als wir unsere Tochter in den Armen halten durften.

Die ersten Wochen konnten wir alle gemeinsam zu Hause ganz intensiv genießen.

Als Max dann wieder arbeiten gehen musste, bemerkten wir schnell, dass das nicht das Familienleben gewesen war, wie wir es uns eigentlich gewünscht hatten.

Wir wollten nicht nur abends und am Wochenende gemeinsam Zeit verbringen. Wir wollten nicht nur sechs Wochen im Jahr freie, intensive Zeit für uns zur Verfügung haben.

Max hatte als Ingenieur damals einen guten Job in Festanstellung. Er musste keine Überstunden machen, hatte eine gute Bezahlung und einen relativ kurzen Arbeitsweg.

Wir hatten also eigentlich gute Bedingungen zum Leben. Trotzdem war es für uns zu wenig von dem, was für uns zu diesem Zeitpunkt am wichtigsten war: Unsere gemeinsame Zeit als Familie.

Wir überlegten also, wie wir ein Leben als Familie in unserer Idealvorstellung gestalten könnten.

Unsere Wünsche waren schnell gesammelt und stimmten größtenteils überein.

Jetzt standen wir nur noch vor der Frage, wie wir das zur Umsetzung bringen könnten.

Uns war es wichtig, eine Grundlage zu haben, die uns etwas finanzielle Freiheit gewährte und keinen radikalen Einschnitt in unser bisheriges Leben bedeuten würde, denn grundsätzlich waren wir ja zufrieden gewesen.

Wir wollten also mehr Zeit für uns als Familie haben, mehr Zeit für uns als Personen und mehr Zeit mit den Dingen verbringen, die wir wirklich lieben. Wir wollten nicht auf Freitagnachmittag warten und am Sonntagabend schon an Montag denken. Wir wollten, wenn an einem Mittwoch schönes Wetter ist, zusammen etwas unternehmen und nicht darauf hoffen, dass vielleicht am Wochenende schönes Wetter sein würde. Wir wollten einfach mal eine Woche zu unserer Familie fahren, ohne währenddessen daran zu denken, dass wir damit nun eine Woche weniger Urlaub hätten und diese vielleicht besser doch für einen „richtigen“ Urlaub hätten nutzen sollen. Wir wollten zusammen frühstücken, zu Mittag essen und ausruhen. Wir wollten von zu Hause oder wo auch immer aus Geld verdienen und selbst entscheiden, wann wir das tun. Wir wollten jeden Tag aufs Neue flexibel entscheiden können, was genau für uns an diesem Tag passen würde.

Es musste also eine neue Lösung her, wie wir unseren Lebensunterhalt verdienen könnten. Ich war in Elternzeit. Somit war die Betreuung von Carlotta gesichert und ich konnte Max den Rücken freihalten.

Max hatte noch keine Elternzeit genommen und entschied sich, seine 40-Stunden-Stelle auf 30 Stunden zu reduzieren, damit er in den nun gewonnen 10 Stunden an seiner Selbstständigkeit basteln konnte.

Es fühlte sich zum ersten Mal realistisch an, dass wir eventuell in Zukunft freier (ich schreibe extra „freier“, denn ich bin der Meinung, NIEMAND kann wirklich komplett frei leben ;), das ist aber ein anderes Thema …) leben und arbeiten können.

Wir haben also rumgesponnen und überlegten uns, was wir alles durch die neugewonnenen Freiheiten machen könnten.

Freunde von uns planten damals gerade ihre Europatour mit einem Camper und diese Idee fanden wir schon lange toll. Allerdings dachten wir immer, „die haben es gut, die können sowas machen, aber für uns gibt es keine Möglichkeit, so etwas zu finanzieren und irgendwie umzusetzen.“ Aber vielleicht wäre es für uns nun doch möglich?

Wir könnten durch das Reisen vielleicht sogar günstiger leben als in unserer teuren Mietwohnung.

Jedoch hatten wir Angst, dass die selbständige Tätigkeit nicht genug Geld bringen würde oder dass das Reisen uns nicht gefallen oder einem von uns Dreien nicht guttun würde. Wir wollten nicht unseren vollen Komfort aufgeben und waren uns nicht sicher, inwieweit wir dieses „geregelte Leben“ brauchen und wollen würden.

Wir überlegten also, unsere Wohnung für drei Monate unterzuvermieten und diese Zeit zu nutzen, um günstig zu leben und zu testen, wie gut die Selbstständigkeit als „Vollzeit-Version“ klappen würde. Unser Plan beinhaltete also die Idee, unsere Sicherheiten nicht aufgeben zu müssen und dachten, Max könnte einfach in „volle Elternzeit“ gehen, da er bisher ja nur die Stunden reduziert hatte. Er würde sich so nach Ablauf der Elternzeit entscheiden können, ob er dann doch wieder in den alten Job zurückgeht geht oder aus der Elternzeit heraus komplett kündigt.

Was für ein Luxus.

Max ging also hochmotiviert zu seinem Chef und reichte den Antrag auf „volle Elternzeit“ ein.

Dieser wurde abgelehnt!

Hätte uns jemand drei Monate vorher erzählt, dass unser Plan mit der Elternzeit nicht aufgehen würde, hätten wir vermutlich gedacht, es sei unsere einzige Chance – und deswegen gab es nun für uns keinen Plan B. Wir wussten aber mittlerweile, dass die Selbstständigkeit von Max gut angelaufen war und er sogar einen festen Partner gefunden hatte, der ihm eine bestimmte Anzahl an Aufträgen pro Monat zusichern konnte. Wir entschieden uns also, den jetzt einmal eingeschlagenen Weg weiterzugehen, was auch beinhaltete, dass Max die Kündigung einreichte.

Sicherlich hatte es uns in die Karten gespielt, dass gute Ingenieure gesucht waren und auch der alte Arbeitgeber von Max meinte, er solle sich gerne melden, wenn er doch wieder zurückkommen wollen würde.

Wir haben uns also mit der Entscheidung ziemlich sicher gefühlt und freuten uns, nun über den endlich selbstbestimmteren Alltag mehr Zeit für die Familie, eine freiere Zeiteinteilung und vor allem Ortsunabhängigkeit erhalten zu haben.

Nun konnten wir uns also endlich Gedanken darüber machen, was wir mit der neu gewonnen Freiheit anstellen wollen. Unser erster Plan galt den drei Monaten und wie wir dabei reisen wollten.

Schnell war uns klar, dass das Wohnmobil für uns eine super Lösung sein könnte. So hätten wir unser „zu Hause“ immer dabei und die Hunde (wir haben zwei) würden sich damit bestimmt ebenfalls wohlfühlen.

Auf der Suche nach einem passenden Bus merkten wir schnell, dass die Wohnmobile „von der Stange“ nicht das bieten konnten, was wir uns gewünscht hatten. Wir suchten nach natürlichen Materialien, nach Individualität, nach Gemütlichkeit ohne viel Plastik. Ein selbstausgebauter Bus war immer weit weg, denn (ACHTUNG: alter Glaubenssatz!) sowas ist viel zu viel Arbeit für uns, sowas können wir gar nicht, sowas ist nur was für so coole Individualisten, die ständig verrückte Ideen hätten und sie ohne großes Nachdenken zur Umsetzung bringen würden.

Während wir also an einem Abend durch Bilder im Internet geklickt und die schönsten Busse gesehen hatten, meinte eine Freundin von uns, „macht doch einfach, klar schafft ihr das, wieso denn nicht??“

Tja, wieso denn nicht? Mir fielen zwar immer noch tausend Gründe ein, aber, wenn ich so richtig darüber nachdachte, war keiner dieser Gründe wirklich gut.

Also entschieden wir kurzerhand, mal was „richtig Verrücktes“ zu machen (so hatte es sich damals für uns zumindest angefühlt) und starteten die Suche nach einem passenden, leeren Transporter.

Diese Zeit war ziemlich anstrengend und kräftezehrend. Max steckte nun neben den 30 Stunden pro Woche, die er ja noch bis zum Ende des gekündigten Arbeitsvertrags abzuleisten hatte, mindestens 20 Stunden pro Woche in seine Selbständigkeit und nun auch noch in die Transportersuche.

Unser Alltag lief natürlich auch noch weiter, wir wollten irgendwie auch noch genießen, was wir hatten, was wir erlebten und was sich da entwickelte.

Ein Balanceakt zwischen „wir opfern uns auf für das, was kommt“ und „wir leben im Hier und Jetzt“.

Es gab dabei Tage, an denen es super funktionierte und Tage, an denen uns das alles wirklich ziemlich stresste.

Zum Glück hatten wir ziemlich schnell ein passendes Fahrzeug gefunden (einen Mercedes Benz Sprinter, der als Rollstuhltransporter genutzt wurde) und konnten mit dem Ausbau beginnen. Der Busausbau startete Weihnachten und wir bekamen „zwischen den Jahren“ eine Halle zur Verfügung gestellt. Außerdem erhielten wir viel Unterstützung von unserer Familie, was wir so gar nicht eingeplant hatten.

Das war im Nachhinein gesehen ein riesiges Glück, denn so konnten wir in trockener und warmer Umgebung, mit Kinderbetreuung, Verpflegung usw. viel Zeit und Energie in unser Ausbauprojekt stecken.

Nach dieser „Powerwoche“ waren wir wieder nach Hause gefahren (wir wohnten in einer anderen Stadt als unsere Eltern) und hatten ab da ganz oft abends, wenn Carlotta schlief und am Wochenende ausgebaut.

Im Frühjahr war es dann soweit. Wir hatten Untermieter für unsere Wohnung gefunden, den Bus fertig ausgebaut und Max hatte seine letzten Arbeitstage in Festanstellung hinter sich gebracht.

Damals hatten wir zu Hause oft Besuch von Freunden (bei unserem Vermieter wurde sogar mal angefragt, ob wir einen Kindergarten in der Wohnung eröffnet hätten) und nach dieser Art und Weise verbrachten wir auch den letzten Tag in unserem alten „Zuhause“. Alles war etwas chaotisch und wir waren spät dran. So halfen uns mehrere Freunde, noch die letzten Sachen aus der Wohnung in den Bus oder in den Keller zu verstauen.

Und dann ging es los …

Unser Start in einen neuen Lebensabschnitt.

Wie wird es sein, als Familie über lange Zeit, eventuell sogar dauerhaft zu reisen? Wie werden wir uns fühlen? Was werden wir vermissen, was wird uns fehlen? Wird uns überhaupt etwas fehlen? Wie werden wir unseren neuen Alltag gestalten? Was wird diese Veränderung mit uns als Menschen machen? Was wird es mit uns als Familie machen? Wie gehen wir mit dieser Veränderung um?

Uns schwirrten viele Fragen durch den Kopf, aber vor allem freuten wir uns auf dieses Abenteuer und auf die vielen neuen Dinge, die uns begegnen werden. Das war unser Start und wie wir später bemerkten, erst der Anfang einer langen Reise, unserer Lebensreise als Familie.

Wir freuen uns, wenn Ihr uns dabei begleiten wollt.

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